Elektromobilität im Fuhrpark

8. Aug 2021 | Von Tim Ruhoff

Das Thema Elektromobilität ist in aller Munde. Während der Anteil der Pkw Neuzulassungen für Diesel und Benziner immer weiter zurückgeht, wird mittlerweile jeder elfte neu zugelassene Pkw in Deutschland elektrisch angetrieben. Die im Jahr 2020 noch einmal nachgebesserten Steuervorteile machen das Elektrifizieren der Fuhrparkflotte auch für Unternehmen interessant. Wie Elektromobilität im Fuhrpark eingesetzt werden kann, worauf Fuhrparkleiter bei der Umstellung achten müssen und wie die Steuervorteile aussehen, darauf soll im Folgenden eingegangen werden.

Was ist ein Fuhrpark?

Was ist ein Fuhrpark? Unter einem Fuhrpark sind alle Fahrzeuge eines Unternehmens zu verstehen. Dies umfasst nicht nur Pkws und Lkws, sondern beispielsweise auch Gabelstapler. Die Verwaltung der Fahrzeuge obliegt dem Fuhrparkleiter.

Fuhrpark und Elektromobilität

Ob im Fuhrpark Elektromobilität eingesetzt werden kann, ist von mehreren Faktoren abhängig. Zum einen spielen die Einsatzgebiete der Fahrzeuge eine Rolle. Dabei ist zu hinterfragen, welche Strecken täglich zurückgelegt werden, welche Reichweite die Fahrzeuge benötigen und ob die Versorgung durch Ladestationen gewährleistet ist. Kurze Strecken im innerstädtischen Bereich sind über einen Elektro Fuhrpark einfacher abzudecken als lange Strecken über Land oder Autobahnen. Ferner ist es wichtig zu wissen, ob die Routen fest geplant werden können, sodass das Aufladen des Akkus regelmäßig möglich ist. Werden die Strecken hingegen eher spontan geplant, ist es bei der derzeitigen Gestaltung der Infrastruktur für Ladestationen schwieriger, den Fuhrpark E-Autos umzustellen, da die Fahrer dann nach Energieversorgung suchen müssten. Selbst bei einer guten Infrastruktur an Ladestationen, um das Akku aufzuladen, ist zu prüfen, ob die Fahrzeuge auf ihrer Tour genügend Standzeiten einplanen können, um die Batterien wieder aufzuladen. Des Weiteren ist die Möglichkeit des Elektrifizieren des Fuhrparks auch abhängig, ob und welche Waren transportiert werden. Kleine Päckchen eines Paketzustellers sind über einen Elektro-Fuhrpark einfacher zu transportieren als schwere Güter wie Autos.

Je nachdem wie die obigen Fragen beantwortet werden, entscheidet sich, ob es sinnvoll ist, den Fuhrpark elektrifizieren. Dabei kann natürlich auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, in nur einem Teil des Fuhrparks E-Autos einzusetzen und Schrittweise eine Umstellung auf einen E-Auto-Fuhrpark vorzunehmen.

Was ist der richtige Autotyp für den Fuhrpark mit E-Autos?

Das Angebot an Elektroautos ist mittlerweile recht groß. Von Leichtfahrzeugen über Limousinen bis hin zu Transportvarianten kann der Fuhrparkleiter das Fahrzeug wählen, welches seinen Anforderungen am besten entspricht. Selbst Busse und Trucks gibt es als Elektromodelle.

Die neuen Antriebskombinationen machen es darüber hinaus immer einfacher, den Fuhrpark auf Elektromobilität umzustellen, da die volle Flexibilität gegeben ist. Zum einen ist immer noch in einigen Fahrzeugmodellen ein Verbrennungsmotor vorhanden, der die Batterie auflädt, wenn unterwegs keine Lademöglichkeit besteht. Zum anderen bietet die Weiterentwicklung der Plug-in-Hybrid Modelle einen hohen Komfort. Im Gegensatz zu einem selbstständig ladenden Hybrid kann bei dieser Variante die Batterie auch über einen externen Stromanschluss aufgeladen werden, was über die ganz normale Steckdose oder eine Ladestation erfolgt.

Steuervorteile nutzen

Das Ziel, den Fuhrpark elektrifizieren, ist mit hohen Anschaffungskosten verbunden. Die E-Autos sind deutlich teurer gegenüber den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Jedoch spart man langfristig Kosten für den Betrieb und die Wartung der Fahrzeuge. Derzeit unterstützt der Staat den Erwerb von Elektroautos mit zahlreichen Steuervorteilen. Beim Erwerb von vollelektrischen E-Autos erhalten Käufer eine maximale Förderung bis zu 9.000 Euro. Bei der Plug-in-Hybrid Variante beträgt die Förderung immerhin bis zu 6.750 €.

Ferner sind vollelektrische Autos, die zwischen dem 18.05.2011 und dem 31.12.2025 zugelassen werden, zehn Jahre lang (höchstens bis 31.12.2030) von der Kfz-Steuer befreit.

Ebenso haben die Dienstwagennutzer einen Vorteil bei der Elektrovariante. Bei vollelektrischen Fahrzeugen wird für nach 2020 zugelassene Fahrzeug für die Versteuerung des geldwerten Vorteils nur 0,25 Prozent (bis zu einem Bruttolistenpreise von 60.000 Euro) angesetzt, anstatt 1 Prozent des Bruttolistenpreises. Bei Plug-in-Hybrid Modellen oder vollelektrischen Modellen, die über einen Bruttolistenpreis von 60.000 Euro liegen, werden immerhin nur 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises für die Versteuerung des geldwerten Vorteils zugrunde gelegt.

Wenn Arbeitnehmer ihr Auto mit dem Strom des Arbeitgebers aufladen, müssen sie diesen nicht versteuern. Dies gilt sowohl für den Dienstwagen als auch für private Fahrzeuge, solange der Arbeitgeber das kostenlose oder vergünstigte Aufladen zusätzlich zum geschuldeten Arbeitsentgelt zur Verfügung stellt. Lädt der Arbeitnehmer seinen Firmenwagen zu Hause auf, kann er sich das Geld vom Arbeitgeber erstatten lassen. Damit kein eigener Zähler installiert werden muss, gibt es dafür bis Ende 2030 Pauschalen (30 Euro pro Monat für Elektroautos und 15 Euro pro Monat für Plug-in-Hybride).

Zudem kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern auch Ladestationen für zu Hause zur Verfügung stellen. Die betriebliche Ladevorrichtung für die private Nutzung ist von der Steuer befreit. Dies gilt ebenso für die Installations- und Wartungskosten. Voraussetzung ist, dass die Ladestation im Eigentum des Arbeitgebers bleibt und der Arbeitgeber sie zusätzlich zum geschuldeten Arbeitsentgelt zur Verfügung stellt. Jedoch ist der darüber bezogene Strom nicht steuerfrei.

Lastmanagement für den Elektro-Fuhrpark

Bei all den Vorteilen eines Elektro-Fuhrparks kann ein falsches Lademanagement sich hinten heraus doch als Kostenfalle entpuppen. Elektromobilität wirkt sich auf die Stromkosten aus. Dies wird insbesondere dann für ein Unternehmen zum Kostenfaktor, wenn viele Elektroautos auf einmal geladen werden. Der Strompreis bestimmt sich nach dem jährlichen Energieverbrauch. Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als 100.000 Kilowattstunden zahlen einen Leistungspreis, der sich aus der höchsten Leistungsspitze innerhalb eines Jahres ableitet. Wird dieser Verbrauchswert überschritten, muss für den restlichen Zeitraum ein höherer Strompreis bezahlt werden.

Die Lösung, um die Kostenfalle zu vermeiden, ist ein sogenanntes Lastmanagement. Dabei wird die vorhandene Energie auf die Fahrzeuge verteilt, ohne dass zusätzliche Energie genutzt werden muss. Das System koppelt die Ladestationen untereinander und stimmt die Ladevorgänge aufeinander ab. Dabei gibt es verschiedene Varianten.

Zum einen gibt es das statische Lastmanagement. Dabei wird eine festgelegte maximale Leistung den Ladepunkten fix zugeordnet. Diese Variante bietet sich vor allem dann an, wenn besonders viele Elektrofahrzeuge geladen werden sollen, aber nicht genügend Anschlussleistung zur Verfügung steht.

Beim dynamischen Lastmanagement hingegen wird die aktuelle Leistung des Netzanschlusses gemessen und die Ladeleistung der einzelnen Ladestationen entsprechend angepasst.

Das Lademanagement ist besonders dann wichtig, wenn bestimmte Fahrpläne oder Zeiten berücksichtigt werden müssen. Dazu gibt es mittlerweile Lastmanagementsysteme, die diese Faktoren berücksichtigen und die Ladevorgänge darauf basierend abstimmen.

Dabei ist es von Vorteil, wenn das Unternehmen bereits Photovoltaikanlagen nutzt. Verfügen Unternehmen über eine Photovoltaikanlage können die Fahrzeuge mit Solarstrom aufgeladen werden. Je mehr Strom aus der Photovoltaikanlage genutzt wird, umso weniger Strom muss aus dem Stromnetz extern eingekauft werden. Das senkt die Ausgaben für die Betriebskosten und das Unternehmen ist unabhängig von den Strompreisen.

E-Autos im Fuhrparkmanagement

Bei dem Einsatz von Elektrofahrzeugen als Dienstwagen im Fuhrpark sollten auch die Dienstwagenverträge entsprechend auf die gesonderten Anforderungen der Elektrofahrzeuge angepasst werden z. B. zur Versteuerung oder zum Thema Stromnutzung des Arbeitgebers. Die Unternehmen sollten des Weiteren einen Haftungsausschluss gegenüber dem Fahrer des Dienstwagens in den Vertrag mit aufnehmen. Dieser regelt, dass das Unternehmen nicht haftet, wenn beispielsweise durch einen Kurzschluss ein Brand entsteht, der durch die unsachgemäße Durchführung des Ladevorgangs verursacht wurde.

Wer das Fuhrparkmanagement lieber ausgliedern möchte, kann für E-Autos ebenso das Serviceangebot im Rahmen des Full-Service Leasings für Elektrofahrzeuge oder Plug-in-Hybrid-Modelle nutzen. Der Service umfasst, wie bei Pkws mit Verbrennungsmotoren, alle Angebote inklusive Finanzierung, Versicherung, Instandhaltung oder Schadenservice.

Fazit zu E-Autos im Fuhrpark

Die Umstellung von Verbrennungsmotoren auf Elektromotoren im Fuhrpark hat nicht nur etwas mit umweltbewussten Verhalten und dem Imagegewinn gegenüber Kunden und Mitarbeitern zu tun. Es ist für Unternehmen bei steigenden Spritpreisen auch eine preisgünstige Alternative, um die Betriebskosten langfristig zu senken. Da das Netz an Ladestationen stetig wächst und wie Reichweite der Akkus ebenso zunimmt, wird das Thema auch für Fuhrparks interessant, deren Fahrzeuge fast rund um die Uhr im Einsatz sind. Darüber hinaus helfen Softwarelösungen, ein optimales Lademanagement zu gewährleisten, was den Geldbeutel schont und zugleich die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge gewährleistet. Elektromobilität im Fuhrpark ist ein Trend, der nicht mehr aufzuhalten ist und von dem die Umwelt und die Unternehmen profitieren.